Time-out, 1992-1994
 

Témoigner, Mathias Flügge (german)
Le sommeil de la raison, Joseph Tarrab (german)
Victims in the Shadow of Account – A Story Behind the Pictures of Salah Saouli, Harald Friecke
Nur ein Hauch von Verlust, Katrin Bettina Müller
The Way We’ve Always Done Before, Michael Wollenheit
Energetic Depots – On the New Works of Salah Saouli, Stefan Rasche (german)
Some say that writing poetry is impossible after Auschwitz, Wilhelm Gauger
Wir wollen wieder gesehen werden und euch sehen können, Wilhelm Gauger
Le mot secret, Abbas Beydoun
Obsession by Salah Saouli,
Heleen Buijs
Supperpositions, Reiner Höynck (german)
Das Labyrinth, Stefan Rasche


Schichten, Rainer Höynck

Salah Saouli ist, wie man seinen Arbeiten ansieht, viel herumgekommen und hat viel nachgedacht. Prägend in Ansatz, Arbeitsweise und Erscheinungsbild sind Schichten. Schichten und Schichtungen: Ineinander, übereinander, nacheinander.
Schichten von Erlebnissen, von Erinnerungen als material für Motive und Projekte. Dann schichten der Bilder, Objekte und multimedialen Installationen. Bei aller Komplexität und Differenziertheit bleibt der Gesamteindruck überschaubar. Nicht auf den ersten Blick, dafür ist zu viel zu sehen, aber bei näherer Betrachtung erschließt sich die Vielfalt des Miteinanders, ohne je zum Durcheinander zu werden. Fragmente bilden in Collagen neue Verbindungen, die Unübersichtlichkeit gegenwärtiger Lebensbedingungen und Lebensgefühle wird vom Künstler nicht vereinfacht, eher betont, und dann gelingt es, jeweils eine Form zu finden. Angesammelte Fotos und Texte und Fundsachen behalten in neuen Kontexten ihren spezifisch dokumentarischen Charakter, gehen zugleich auf im Prozesshaften Kunstwerk. Da können schon mal mittelalterliche Bauernkriege und Düsenjägertiefflüge aufeinander treffen.

Transparenz ist dabei häufig wörtlich zu nehmen, mit durchblicken durch Glas, Plexi und Folien, durch Spiegelungen und Doppelseitigkeiten.
Das reicht von Raumfüllenden Installationen und ausstrahlenden Projektionen über Werkgruppen bis zu einzelnen Arbeiten.

Entscheidend für die künstlerische Grundhaltung und Leitlinie ist die Absicht, ästhetische Qualität nie als Selbstzweck anzustreben, sondern immer als Vermittlung, als Transportmittel von Inhalten. Krieg, Folter, Verschleppung spielen da eine wesentliche Rolle. Im Gegensatz etwa zu Malern und Bildhauern, die Gemeinsamkeiten von Gewalt militärisch-politischer Art und sexueller Brutalität mit den Mitteln des kritischen Realismus ausdrücken, findet Saouli für jede Thematik besondere Ausdrucksmittel, Materialien und Techniken. Deutlich bleiben aber Verknüpfungen und Zusammenhänge im Gesamtoeuvre da können unterschiedliche Formen von Zerstörung in seiner Geburtsstadt Beirut und in seiner Walheimat Berlin parallelen zeigen. Manches ist durch Kriegswaffen ausradiert, anderes durch rücksichtslose Stadtplanung ruiniert.

Bei solcher Vielfalt an formalen Ausdrucksmitteln auf gemeinsamer inhaltlicher
Basis ist manches nicht rasch zu entschlüsseln, vor allem nicht eindeutig, Interaktion mit dem Betrachter spielt eine besondere Rolle. Denn es gibt ja nicht jeweils nur
eine einzige gültige Bedeutung und Interpretation, sondern immer auch andere
mögliche Perspektiven und Sichtweisen. Am Kunstmarkt ist mit solcher Haltung nicht viel zu gewinnen. Umso wichtiger ist die Kommunikation mit Menschen, die sich
auf das gesellschaftliche Engagement von Salah Saouli und seine anspruchsvolle Formensprache einlassen.

Katalog das Labyrinth, Berlin 2000
© Salah Saouli und die Autoren


© salah saouli